Die Stadtverwaltung Pinneberg schlägt Alarm. „Die Anzahl der rechtswidrigen Abfallablagerungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, wurden die Mitarbeiter des Bauhofes im Jahr 2015 noch zu insgesamt 108 Einsätzen eingesetzt, so waren es im Jahr 2017 bereits über 250 Einsätze“, sagt Claudia Vahl vom kommunalen Servicebetrieb der Stadt Pinneberg (KSP). Ihre Einschätzung: Die Schmutzfinken werden immer dreister mit den „wilden Müllkippen“ mitten in der Stadt.

Die KSP-Mitarbeiterin plaudert aus dem Nähkästchen: „2015 wurden nur vereinzelt vermüllte Containerstationen, illegal abgelegter Sperrmüll oder Bauschutt und Hausmüll eingesammelt. Im vorigen Jahr hingegen wurde häufig wieder Abfall auf städtischen Flächen abgestellt, unmittelbar nachdem sie gerade gesäubert worden waren.“ Manche Flächen wie zum Beispiel der Wendehammer Auwiese musste bis zu drei Mal die Woche wieder gereinigt werden.

Mehr noch: Es geht mittlerweile nicht mehr um kleine Müllbeutel, Pappkartons mit Papier oder Flaschen neben Containern – vielmehr werden mittlerweile ganze Zimmereinrichtungen mit Schränken und Sofas illegal entsorgt. Die Palette des rechtswidrig abgelegten Abfalls reicht von Autoreifen über Sessel bis hin zu Wolldecken oder Zement. „Kinderwagen oder Fernseher werden vermehrt bei diversen Containerstationen abgestellt, selbst Kartons mit persönlichen Gegenständen wie Modeschmuck, Schlüsseln, Uhren, und Kinderspielzeug werden auf einem Parkplatz oder Grünstreifen abgelegt“, berichtet Claudia Vahl. Eklig-trauriger Höhepunkt des Jahres 2017 waren in Mülltüten verpackte Schafskadaver an der Containerstation Berliner Straße.

Die Konsequenzen: Erhöhte Kosten für den Bauhof, der bis zu einer Menge bis fünf Kubikmetern zuständig ist und erheblicher Frust bei dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir sind sehr genervt und verärgert über die Gedankenlosigkeit, die hinter so einem Verhalten steht. Es ist einfach respektlos, seinen Müll irgendwo abzukippen und zu denken, dass unsere Mitarbeiter den teils äußerst ekelhaften Kram schon irgendwie wegräumen werden, denn sie werden ja schließlich dafür bezahlt“, stellt Claudia Vahl klar. Außerdem erinnert sie daran: „Statt anderer Leute Müll wegzuräumen und zu entsorgen, könnte man die Arbeitszeit jedes einzelnen beteiligten Mitarbeiters besser für die Instandsetzung der Straßen, Wege, Plätze, für die Grabenreinigung oder für die Reinigung und Instandsetzung im Bereich der Spielplätze nutzen.“

Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) appelliert deshalb an die Bürgerinnen und Bürger, mehr Gemeinsinn zu zeigen. „Die Schmutzfinken müssen endlich aufhören, die Stadt vollzumüllen und so die Gemeinschaft zu schädigen. Legale Entsorgungsmöglichkeiten gibt es schließlich genug.“ Sie erinnert an die jährliche Laubaktion der Stadt auf dem KSP-Gelände, an die kostenlose Entsorgung von Sperrmüll und Elektroschrott durch die GAB und das Schadstoffmobil, dessen feste Termine in der Abfallfibel stehen. Außerdem macht die Bürgermeisterin deutlich: „Abfall illegal zu entsorgen ist zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Wer erwischt wird, der wird bestraft.“ Vielen Bürgerinnen und Bürgern passt das Verhalten der Müll-Frevler ebenso wenig wie der Stadt. Sie melden ihre Beobachtungen dem Ordnungsamt oder der Polizei.

Aber es gibt auch Lichtblicke in Sachen Schmutz. So führt die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde jedes Jahr zum Neujahr eine Aufräumaktion in der Fußgängerzone durch und viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich an der Aktion Sauberes Schleswig- Holstein. Urte Steinberg: „Dieses beispielhafte Verhalten freut uns sehr und es wäre schön, wenn es Nachahmer fände.“